Rorate
Rorate-Ämter sind in Bayern seit dem Ende des 15. Jh. bekannt. Diese Messfeiern bekamen ihre Namen vom ersten Wort des Eingangsverses (Introitus): "Rorate coeli desuper" - "Tauet, Himmel von oben...", die aus dem Jesajabuch (Kapitel 45) stammen. Später hat sich auch der Begriff "Engelamt" eingebürgert, der wohl auf die Evangeliumstelle verweist, in der der Engel Maria die Botschaft verkündet. Rorate-Ämter (oder Rorate-Messen) waren bei den Gläubigen sehr beliebt. Sie waren so beliebt, dass die Ämter schon lange im voraus bestellt wurden.
Gründe für diese Beliebtheit:
1. Die Ämter wurden als besondere Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn verstanden.
2. Man schrieb diesen Ämtern besondere Segenskraft zu (für Familie, Lebende und Tote, als auch für Hof, Stall und Vieh).
3. Sicherlich auch ein gemüthaftes Element: Der Gang zur Kirche bei oft klirrender Kälte mit tiefem Schnee; dann in der Kirche das warme, lebendige Kerzenlicht, das allein den Kirchenraum erhellte; und dazu die schlichten und besinnlichen Lieder des Advents.
Es ist erstaunlich und erfreulich, dass heute die Rorate-Messen mehr Zustimmung bei den Gläubigen finden, als alle anderen Werktagsmessen im Jahr.
Vielleicht spielt das anschließende Frühstück mit eine Rolle für die Beliebtheit. Aber wohl nicht nur, denn um für ein gemeinsames Frühstück zu haben, geht man sicherlich nicht um 6.00 Uhr in die Kirche. Schön, dass es Menschen gibt, die etwas auf sich nehmen, um in einer besonderen Weise sich auf Weihnachten vorzubereiten.


 

 

  Der Adventskranz
Der Brauch, einen Adventskranz zu binden und in Kirchen und Privathäusern aufzuhängen, ist mittlerweile zum „guten Brauch“ der Adventszeit geworden.
Er ist heute in großen Teilen Europas sehr beliebt. Der Brauch selber ist relativ jung.
Er geht auf J.H. Wichern (+1881) zurück, den Gründer und Leiter des „Rauhen Hauses“ in Hamburg. Er hat ab dem Jahr 1838 im Rahmen einer kleinen Besinnung mit seinen „Zöglingen“ an jedem Tag im Advent eine Kerze angezündet und diese auf einen Holzkranz gestellt, so dass am Weihnachtsfest ein Lichterkranz den großen Saal im Haus erleuchtete. Später wurden auch die Wände des Saales mit grünen Zweigen versehen, bis endlich 1860 auch der Holzreifen mit Tannenreisig bestückt wurde - so entstand die Form des Adventskranzes, wie wir ihn auch heute kennen.
Der Brauch hat zunächst vorwiegend in evangelischen Familien Aufnahme gefunden.
Die Zurückhaltung der Katholiken legte sich erst Jahre später. Im Jahre 1925 hing erstmals ein Adventskranz in einer der katholischen Kirchen Kölns, seit 1930 finden wir ihn auch im südlichen München. Und erst einige Jahre später werden dann schließlich auch die häuslichen Adventskränze in der Liturgie gesegnet.
Die bekannteste Form ist der aus Fichtenreisig gewundene Kranz mit vier Kerzen und Roten oder violetten Bändern. Vermutlich hat schon J.H. Wichern vier größere weiße Kerzen unter die sonst roten übrigen Kerzen gestellt. Sie stehen für die vier Adventssonntage und werden bis heute Sonntag für Sonntag feierlich am Kranz entzündet. Eine Deutung der vier Kerzen besagt, dass sie auf die vier Jahrtausende jüdischen Wartens auf den Messias hinweisen.
Dieser originär christliche Brauch entstammte dem „Rauhen Haus“ in Hamburg und hat erfreulicherweise weltweite Anerkennung gefunden. Der Adventskranz ist Symbol des Erdkreises, der auf das Kommen des Erlösers Jesus Christus wartet. Er ist auch ein Symbol für Gott: Das steigende Licht des Kranzes deutet auf die Erscheinung Gottes in der Welt an Weihnachten hin.  Grüne Zweige hat der Mensch in vielen Kulturen schon immer als Zeichen der Hoffnung auf neues Leben in die winterlichen Häuser geholt.
Relativ bald schon wurden sie mit dem Geburtsfest Jesu, vor allem aber dem Neujahr verbunden. Der grüne Kranz bedeutet also Hoffnung und Leben, so wie sie uns an Weihnachten neu geschenkt werden.
Das kirchliche Benediktionale (Segensbuch) legt großen Wert auf die Segnung des Adventskranzes. In der Einführung heißt es: „Das Licht weist den Weg, vertreibt Angst und fördert Gemeinschaft. Licht ist ein Zeichen für Jesus Christus, das Licht der Welt ... Der grüne Kranz bedeutet Leben und Gemeinschaft. Der Adventskranz ist
ein Zeichen der Hoffnung, dass nicht Dunkel und Tod, sondern Licht und Leben
siegen werden.“ Der Adventskranz sollte, wenn es möglich ist, natürlich selbst gebunden werden. Das kann auch als gemeinsame Einstimmung der Familie oder der Gemeinde in die Adventszeit genutzt werden. Auch die Kerzen können selbst gegossen werden, wenn z.B. über das Jahr anfallendes Wachs gesammelt wird und daraus neue Kerzen gemacht werden.  Am Heiligen Abend kann der Adventskranz (mit vielen Lichtern, wie ehemals im Hamburger „Rauhen Haus“) gleichzeitig mit dem Weihnachtsbaum erstrahlen, um die Hoffnung des „bleibenden Advents“ deutlich zu machen.
Auch bei der Mette in unseren Kirchen sollte der Adventskranz seinen Platz haben.

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